Achtsamkeit und Sammlung im Alltag

Wenn ich über Achtsamkeit lese, habe ich den Eindruck, es gehe darum, 24 Stunden am Tag vollkommen Achtsam zu sein. Am besten, es tauchen keine Gedanken auf und man erlebt nur noch Glückseeligkeit. Dieses Ideal wird besonders in spirituellen Kreisen, z.B. durch sogenannte/selbsternannte Lehrer der Advaita-Satsang suggeriert, mit zufriedenen Grinsen sich in der Nondualität suhlen.

Aber dies ist eben nur ein Ideal, wir sind immernoch Menschen. Das Gehirn produziert nun einmal Gedanken und in denen verstricken wir uns auch gelegentlich. Kosho Uchiyama sagte einmal der Mensch ist ein lebendiges Wesen, in ihm steigen Gedanken auf. Mal ist er schläfrig, mal träumt er vor sich hin. Ein Stein ist nicht lebendig, egal wie lange er irgendwo rumliegt, in ihm werden niemals Gedanken aufsteigen. Es gehe nicht darum, etwas totes, wie der Stein zu werden, seine Menschlichkeit zu verlieren…

Ziel der Buddhalehre ist es, das Leiden zu überwinden. Ein Teil des edlen, achtfachen Pfad ist darauf ausgerichtet , sich über seine Gedanken, Gefühle und Empfindungen gewahr zu werden. Wir sollen nicht Anhaften, noch Ablehnen, was nicht zu ändern ist. Also müssen wir akzeptieren, dass endlose mentale Zustände zu unserem Leben gehören: Tagträumerei, Gedankenversunkenheit, Wut, Trauer.. all das Gehört dazu. Wir dürfen diese Dinge nicht ablehnen und leugnen. Es genügt, sich ihnen gewahr zu werden. Wenn wir merken, dass wir tagträumen, sind wir wieder achtsam. Wenn wir unsere Wut bemerken, wird sie nicht zur blinden Wut, wir werden nicht unbewusst uns zu Handlungen hinreissen lassen. Es hat keinen Sinn, an einem Ideal anzuhaften wie etwas zu sein habe. Das sind nur unsere Vorstellungen. Diese Anhaftung ist leidvoll.

Es gibt Methoden, welche Anker der Achtsamkeit einsetzen, um mit der Aufmerksamkeit gegenwärtig zu werden. Diese können besonders zu Beginn der Praxis hilfreich sein. Wir sollten nur keine allzugroßen Hoffnungen in diese Hilfen geben, sie könnten uns an ein Idealbild heranführen. Sie erfüllen ihren Zweck, wenn man es erst einmal schafft, einige Momente am Tag gegenwärtig zu sein.

So kannst du dir bespielsweise mit Reminder-Apps akustische Signale einstellen, die in bestimmten Intervallen aktiv werden und dich dran erinnern, deine Aufmerksamkeit auf den jetzigen Moment auszurichten. Auch das Geldstück im Schuh erunnert dich immer wieder dran innezuhalten und dem gewahr zu werden, was in dir und um dich herum geschieht. Diese Mittel können helfen, aber früher oder später werden sie alltäglich und wir überhören sie, übersehen sie. Tägliche Meditation, wie Zazen, hilft, die Präsenz, welche auf dem Kissen geübt wird, mit in den Alltag zu nehmen. Dies kann, bei täglicher Praxis, das Leben transformieren.

Es ist keinesfalls schlimm, wenn man gelegentlich „scheitert“. Es ist ein Übungsweg der nie aufhört. Es wäre nur falsch, irrtümliche Hoffnungen in ihn zu stecken, irgendwann einmal an einen Punkt zu kommen, an dem man meint man sei ebdgültig fertig, vollkommen, erleuchtet. Der Weg eröffnet sich jeden Moment. Jeden Moment in dem wir präsent sind, erscheint unsere wahre Buddhanatur.

Wir üben nicht um vollkommen zu werden. Wir üben, weil es keinen unterschied zwischen Übung bzw Praxis und Erwachen gibt.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s